Donnerstag, 26. Januar 2012
Getreu dem Motto „besser spät als nie“ ist jetzt auch mein persönliches Fazit des Chinaaufenthaltes fertig. Mein Anspruch war es zwar eigentlich, den Blog im Jahr 2011 abzuschließen, aber irgendwie hat das aus verschiedensten Gründen nicht funktioniert. Aber aufgrund der Tatsache, dass mehr Leute den Blog gelesen haben, als ich zunächst erwartet hatte, war ich doch noch motiviert, mein Werk zu vollenden ;-)

Und wie es sich für ein Fazit gehört, kommt hier die wichtigste Information vorne weg:

WAR DAS EINE SUPER ZEIT!!!

Das war auch der Satz, den ich in meinen zahlreichen Erzählungen in den letzen vier Wochen immer zuerst benutzt habe. Die Erfahrungen und Erlebnisse, die wir in den vier Monaten sammeln durften, waren so vielfältig, dass sie uns sicherlich noch ganz lange begleiten werden und uns für unser Leben geprägt haben (klingt zwar echt pathetisch, meine ich aber ganz ernst ;-)).
Aufgrund dieser Vielzahl an Eindrücken konnte ich auch die oft gestellte Frage „Wie sind die Chinesen denn so?“ nicht wirklich schlüssig oder eindeutig beantworten. Genau wie in Deutschland ist auch in China jeder Mensch anders, man kann kein pauschales Urteil über alle Chinesen fällen. So haben auch wir ganz verschiedene Erfahrungen gemacht. Diese waren zu einem ganz großen Teil absolut positiv. Insbesondere die Bewohner unserer Stadt Tai´an durften wir als unglaublich offen, freundlich und neugierig kennen lernen. Aufgrund der Tatsache, dass es in der Stadt mit Ausnahme von uns kaum „westliche“ Menschen gab, waren wir eigentlich egal wo wir hingegangen sind immer etwas besonderes und die Menschen sind uns gegenüber auch offen und jederzeit hilfsbereit gewesen. Insbesondere in der Anfangszeit, in der wir noch kein Wort Chinesisch gesprochen haben, hat das zu lustigen Situationen auf dem Markt oder im Laden geführt, die aber eigentlich alle mit Erfolg gelöst werden konnten.

Durch den Aufenthalt in dieser für uns komplett fremden Kultur habe auch ich mich persönlich weiterentwickelt. So ist es mir heute sicherlich besser möglich, Dinge auch mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, als noch vor diesen vier Monaten. Man wird einfach sehr viel offener, und versucht auch mal den anderen zu verstehen, genauso, wie wir in China mehr und mehr gelernt haben, die Dinge aus der „chinesischen“ Perspektive zu betrachten. Der Aufenthalt halt uns also in die Lage versetzt, sich auch mal vom gewohnten Denken zu lösen und „neu“ zu denken:
Auch weiß ich jetzt viele Dinge in Deutschland sehr viel besser zu schätzen, die man sonst immer als selbstverständlich hingenommen hat. Das es für den gesamten Campus nur ein Duschhaus gab und dieses Duschhaus dann auch nur dienstags, donnerstags und samstags geöffnet hat, war für uns zunächst unglaublich. Für die chinesischen Studenten war es normal. An diesem einfachen Beispiel wurde uns doch recht schnell deutlich, wie extrem gut wir es doch in Deutschland haben und dass wir doch auf einem recht hohen Niveau „jammern“. Damit will ich nicht sagen, dass es in Deutschland alles perfekt ist und man die chinesischen Umstände alle als Vorbild nehmen sollte (auch ich möchte mich gerne weiterhin täglich duschen können ;-)), aber wir sollten uns bei mancher Diskussion doch immer vor Augen führen, über was man sich da eigentlich beschwert…

Ein wesentlicher Faktor, der dazu beigetragen hat, dass ich so positiv an die Zeit in China zurück denken werde, ist sicherlich die tolle Gruppe, mit der ich diese Zeit erleben durfte. Bedenkt man, dass wir fünf Tutoren uns beim 2-tägigen Vorbereitungsworkshop im Juli in Essen das erste Mal gesehen haben und dann anschließend vier Monate zusammen gelebt und gearbeitet haben, praktisch also 24 Stunden am Tag zusammen waren, so muss man nüchtern sagen, dass wir schon ein riesiges Glück hatten. Ich denke, dass wir uns untereinander echt gut ergänzt haben, auch wenn es natürlich in den vier Monaten auch mal die ein oder andere Diskussion gab ;-) Also danke an dieser Stelle!!!

Abschließen kann ich den Blog dann nur noch mit einer Aufforderung an alle, die mit dem Gedanken eines Auslandsaufenthaltes spielen: Macht es!!!
Egal ob in Europa, oder weiter weg. Jeder Aufenthalt in einem anderen Land entwickelt die Persönlichkeit weiter, in einer gänzlich fremden Kultur wahrscheinlich noch mehr als in einem europäischen Land. Und je offener man durchs Leben läuft, besser ;-)

Wie oben schon angedeutet haben den Blog hier mehr Menschen gelesen, als ich zunächst erwartet hatte. Deshalb auch noch ein großes Dankeschön an alle, die sich so für unsere Erlebnisse in China interessiert haben, das hat meine Motivation zum regelmäßigen (abgesehen von diesem letzten Eintrag) und ausführlichen Schreiben doch hoch gehalten, dass in Summe fast 120 DIN A4 Seiten zusammen gekommen sind. Und um diese Erinnerung nicht verloren gehen zu lassen, werde ich (oder vielmehr mein Vater, der Drucker ;-)) daraus eine gebundene Ausgabe erstellen, damit ich auch etwas festes habe, das mich an die eigentlich auch so schon unvergessliche Zeit in China erinnern wird.

Und diesmal sage ich nicht bis bald, sondern wir sehen uns dann im richtigen Leben, das war mein letzter Blogeintrag,

Euer Alex Wissing






Montag, 5. Dezember 2011
So, nachdem ich allen guten Vorsätzen zum Trotz wieder einmal längere Zeit nichts geschrieben habe kommt hier der nächste Eintrag. Zu meiner Entschuldigung muss (bzw. kann ;-)) ich allerdings sagen, dass wir hier in unseren letzten Wochen echt einiges zu tun haben und ich daher einfach nicht dazu gekommen bin, einen Eintrag zu schreiben. Außerdem ist wie vorher schon mal angedeutet ein wenig der Alltag eingekehrt, sodass es nur wenige, einzelne Ereignisse gab, zu denen ich euch etwas berichten kann.

Im Allgemeinen herrscht inzwischen aber schon ein wenig Abschiedsstimmung, der finale Countdwown läuft unaufhaltsam. Jetzt ist es nicht mal mehr eine Woche, die wir hier in Tai´an sein werden, dann reisen wir ja noch einige Tage durch China, und dann sind wir am 20. Dezember schon wieder zu Hause. Unfassbar, wie schnell die Zeit hier einfach mal vergangen ist. Hier mal ein Bild von unserer Tour, die wir im Anschluss an unseren Einsatz noch machen werden:


In blau die am Ende geplante Route, in Rot die schon "bereisten" Strecken

Auch unsere Veranstaltungen hier stehen im Zeichen des nahenden Abschiedes. So haben wir am vergangenen Donnerstag die Abschlussveranstaltung unseres Börsenplanspiels gehabt. Zum Glück haben sich die Börsen in den letzten Wochen etwas erholt, sodass das Depot von uns Tutoren mit einem leichten Plus von gut einem Prozent noch ganz ordentlich aussah. Dass es aber auch deutlich besser geht machten uns einige Studenten vor, die Siegergruppe machte satte 14,4% (!!!) plus in nur 2,5 Monaten. Das bedeutet aus den 51.130,- EUR Startkapital machten sie ca. 58.500,- EUR. Das Erfolgsgeheimnis genauso einfach wie riskant: Einfach den Großteil des Geldes in eine Aktie investieren, den Rest als Bargeld im Depot lassen. Zwar nicht unbedingt die Strategie, die wir uns gewünscht hätten (Auseinandersetzung mit den verschiedenen Branchen und Titeln) aber halt doch erfolgreich ;-)
Als Preis wird Hr. Haederle die Studenten dann bekochen, und das kann er ja, wie schon mehrmals bewiesen, richtig gut. Die Studenten dürfen sich also auf gute (und deftige ;-)) deutsche Kost freuen. Ich bin ja mal gespannt, ob sie es genauso mögen wie wir, oder ob sie im Anschluss an das Essen noch den Aufenthalt in Deutschland fürchten, weil sie immer so viel und deftig essen müssen…

Am vergangenen Samstag, den 03. Dezember, stand dann noch ein weiteres Highlight an, der „Supervoice“-Wettbewerb. Dieses „DSDS“ der Uni fand im unter Regie der Studenten statt. Dabei waren vor allen Dingen die Studenten aus unserem Institut maßgeblich an der Organisation beteiligt, sodass wir viele bekannte Gesichter erkennen konnten.
Es war echt richtig groß aufgezogen und der Vorlesungssaal war voll, wie ich ihn noch nie gesehen habe, vielleicht also mal ein Idee, für ein neues Vorlesungskonzept ;-)
Die Studenten sangen also alleine oder in Gruppen verschiedenste Lieder, dabei dominierten das Thema Herz(schmerz), wie in fast allen chinesischen Liedern. So viel konnten auch wir ohne Chinesischkenntnisse erkennen ;-)
Auch die Fanlager machten richtig Stimmung und schwenkten Plakate oder brachten Blumen auf die Bühne. Hierbei konnte man beobachten, dass die Blumen „wiederverwendet“ wurden. Kein Scherz!!! Nachdem der Künstler mehrere Sträuße in den Händen gehalten hat, haben Assistentinnen ihm diese abgenommen. Neben der Bühne konnte man sich dann anstellen und diese Blumen dann wieder auf die Bühne bringen. Tolle Erfindung, für uns echt lustig.
Hier mal wie gewohnt ein paar Bilder, damit ihr euch vorstellen könnt, was hier los war:


Die Deko des Raumes, auf den Plakaten sind übrigens wirklich die Studenten zu sehen, das sind alles Fotomontagen


Die Bühne


Die Moderatoren, ganz souverän und abgeklärt führten sie durch das Programm. Man könnte meinen, sie hätten das schon öfter gemacht. Einziges Problem für uns, war halt alles auf chinesisch ;-)


Am Anfang "heizte" erst mal eine Tänzerin dem Saal ein, das Outfit könnte dabei ein bisschen geholfen haben ;-)

Dann kamen die Sänger, und dabei gab es ganz verschiedene Konzepte...


...entweder ganz klassich alleine auf der Bühne


...oder aber als "Boyband" (die dann auch später gewonnen haben).

Die Fans waren auch voll dabei:


Hier noch etwas zurückhaltender...


...hier dann aber mit selbst gebastelten Plakaten und laut schreiend.


Hier die eben schon angesprochenen Blumen.


Und so sieht das dann aus, wenn man schon den ein oder anderen Strauß bekommen hat und diese dann alle während des Singens feshalten muss. Farblich aufeinander abgestimmt natürlich die Blumen und das Hemd ;-)

Als Zwischenprogramm gab es dann auch noch eine Band, die allerdings außer Konkurrenz angetreten ist:


Im Anschluss an die Veranstaltung (wie es sich für chinesische Verhältnisse gehört war natürlich um kurz vor zehn Schluss…) ging es dann zu Anne in die Wohnung zum Glühweinabend. Hier hatten wir Tutoren versucht Glühwein zu machen. Und das ist uns auch ganz passabel gelungen, so zumindest der Tenor der anwesenden Dozenten und von Hr. Qiu. Auch wir selbst waren ganz zufrieden. Dabei war das Finden der Zutaten gar nicht so einfach. Orangen, Zimt, Anis und Nelken konnten wir dann noch relativ einfach finden. Bei der Auswahl des Weines hatten wir uns etwas schwerer getan. Letzlich waren dann ganz einfache Gründe ausschlaggebend. Nachdem wir zunächst einen Wein mit 7% für 18 Yuan im Korb hatten, entschieden wir uns dann doch für die Alternative mit 11% für 20 Yuan für die doppelte Menge. Manchmal sind es eben doch die einfachen Dinge, die überzeugen können ;-) So war der Abend dann auch noch ganz lustig, die Plätzchen und Nüsse machten die Weihnachtsstimmung dann komplett.

Apropos Weihnachten, ich hatte euch ja erzählt, dass hier in ganz Tai´an so gut wie keine Weihnachtsstimmung herrscht. Und ich muss mich korrigieren, das stimmt so nicht. In den Geschäften und auch auf den Straßen gibt es einige weihnachtliche Deko. So ganz unbekannt ist Weihnachten hier dann doch nicht, auch wenn es eher zu Deko- und Verkaufszwecken „missbraucht“ wird, aber seht ruhig selbst:


Entweder in den Geschäften


Oder aber sogar auf den Straßen auf den kleineren Märkten, die man hier überall finden kann

Und hier noch etwas, das im erweiterten Sinne auch unter Weihnachten fassen kann. Dank der Maniküre bei der Anne und Sonja waren, können wir die Weihnachtsstimmung jetzt nämlich immer mitnehmen. Ihr könnt ja raten, wem welche Nägel gehören ;-)



Abschließend waren wir letzten Sonntag dann noch mit unserer Sprachlehrerin Miao Miao essen. Die Frau, die uns mit einer Engelsgeduld Chinesisch beigebracht hat. Oder es vielmehr versucht hat ;-) Diese Sprache, oder vielmehr diese Aussprache, ist einfach zu schwer für mich. Na ja, die rudimentäre Verständigung hier funktioniert, das ist ja immer schon mal ein Anfang. Miao Miao hatte sich das Essen aber auf jeden Fall verdient. Und dann hatte sie auch noch Geschenke mitgebracht, es gab Armbänder, echt nett. Jetzt ist am Donnerstag noch einmal Kurs, und dann war es das auch schon. Wie gesagt, es herrscht echt Abschiedsstimmung hier, wir stellen immer wieder fest: „Das ist jetzt das letzte Mal“ (gerade z.B. war der letzte Montag ;-))

So mit diesen Gedanken (ihr wisst ja, ein weinendes und ein lachendes Auge, natürlich freue ich mich auch auf zu Hause) beende ich dann mal diesen Eintrag hier.


Wie ihr seht, wir haben uns echt an China gewöhnt, "We love China" ;-)

Da wir ab Samstag auf große Reise gehen weiß ich noch nicht, wann der nächste Blogeintrag folgt, vielleicht bin ich dann schon wieder in Deutschland. Also von daher sage ich einfach mal bis bald, komplett verabschiede ich mich allerdings noch nicht. Ein „abschließender“ Eintrag wird in jedem Fall noch folgen ;-)
Also bis bald (wenn auch vielleicht nicht so ganz bald…)






Freitag, 25. November 2011
In Deutschland werdet ihr ja momentan schon genug Weihnachtsstimmung erleben. Dafür sorgen ja alleine schon das länger zu kaufende Weihnachtsgebäck, sowie die ständig laufende Weihnachtsmusik ;-)

Hier in China ist das alles ein bisschen anders. Gerade bei uns in der „Kleinstadt“ Tai´an wird ja gar kein Weihnachten gefeiert, da es außer uns keine internationalen Einwohner gibt. Aus diesem Grund hatte Fr. Henning (unsere Dozentin für International Law) die Idee, ein Weihnachtscafé zu machen. Zu diesem Zweck hatte sie ihren Mann, der geschäftlich in Deutschland war, extra damit beauftragt, Spekulatius, Plätzchen, Christstollen usw. mitzubringen. Es war einfach eine richtig, richtig gute Idee, so holten wir uns dann ein bisschen Weihnachtsstimmung bis nach China.
Das Beste war: Zum Abschluss hat jeder noch einen Adventskalender erhalten, auch wir wissen jetzt also immer ganz genau, wie lange es noch bis Weihnachten ist ;-)
Hierfür noch mal unseren herzlichen Dank, insbesondere wenn man bedenkt, dass Fr. Hennings Mann auch für seine sämtlichen Kollegen Kalender mitgebracht hat, das bedeutet ein ganzer Koffer voll mit über 100 Adventskalendern. Dafür also wirklich ein großes Dankeschön.


Wie gesagt, ein Koffer voll nur mit Adventskalendern!!!

Ansonsten ist die Woche noch nicht ganz so viel passiert. Das Wochenende verbringen wir hier in Tai´an, mal schauen, was wir noch so machen.

Bis demnächst,

P.S., nicht, dass noch ein Eintrag endet, ohne jemanden für seine Kochkünste zu loben, gerade gab es gefüllte Tomaten und lecker Kartoffelsuppe, einfach gut, also: DANKE Sonja








Dienstag, 22. November 2011
So am Wochenende war Premiere. Sonja, Anne und ich waren bei der Fußpflege und Massage. Hier in China (zumindest in Tai´an ;-)) ist ja alles durchaus bezahlbar, sodass auch wir uns das Wellnessprogramm leisten konnten. Für die halbstündige Massage waren 58 Yuan, für die Fußpflege 20 Yuan fällig. Insgesamt also 78 Yuen (knapp 9,- EUR), die wir bezahlen mussten, und dafür gab es sogar noch Obst zu essen.
Die Fußpflege wurde von einem Mann mit einem relativ scharfen Messer durchgeführt, aber ganz offensichtlich hatte er das schon öfter gemacht, wir besitzen also noch alle unsere zehn Zehen und sind ohne Narben davon gekommen ;-)

Weitaus „gefährlicher“ war da schon die Massage. Die drei Damen haben mit vollem Körpereinsatz massiert. Das beinhaltet auch, dass die auf uns rumgelaufen sind und uns durchgebogen haben, sodass ich dachte meine Wirbelsäule macht´s nicht mehr lange. Aber alles kein Problem, war ein super Gefühl, als der Schmerz nachließ ;-)
Apropos Problem, meine Körperlänge für die Masseuse wohl auch ein kleines „großes“ Problem. Eine „Strecktechnik“ funktioniert bei mir nicht so richtig, sie konnte nicht gleichzeitig meine Beine und einen meiner Arme greifen, da war ihre „Spannweite“ doch etwas kleiner als meine. Führte dazu, dass sie und auch ihre Kolleginnen ein bisschen Spaß hatten.
Fazit: Es war ganz lustig und wir werden es an einem der beiden nächsten Wochenenden wohl noch einmal wiederholen, für den Preis kann man sich ja mal etwas gönnen.


Hier mal eine unserer beiden Damen (das Bild der anderen Tutorin ist der Zensur zum Opfer gefallen, sie war einfach zu eitel), ich musste ja die Fotos machen, daher bleibt euch ein Bild von mir erspart ;-)
(Das Bild ist übrigens nach der Massage, deswegen sind die Auflagen der Liegen so durcheinander, als wir angekommen sind war natürlich alles ganz ordentlich...)

Am Montagmorgen haben wir dann noch eine lustige kleine Entdeckung gemacht. Laufen wir morgens zum Büro, dann kommen wir immer an einem kleinen Park hier direkt vor unserem Haus vorbei. Morgens ist dort immer Frühsport für die älteren Leutchen hier in der Gegend angesagt. Eine Gruppe übt jeden Morgen einen „Fächertanz“, sieht echt immer sehr gut und vor allen Dingen sehr synchron aus. Eine andere Gruppe tanzt immer, bislang zu eher langsamen chinesischen Liedern. Aber an diesem Morgen hörten wir uns doch ganz bekannte Töne. Es war „Maccarena“ von Los del Rio. Wer sich nicht erinneren kann, ist das Lied mit dem lustigen Tanz. Und genau den haben die Omis und Opis dort dann auch getanzt. Sah echt richtig lustig aus, leider haben wir kein Bild gemacht, sodass an dieser Stelle eure Phantasie gefragt ist, damit ihr euch das vorstellen könnt ;-)

Das war es auch schon wieder mit den Neuigkeiten, bis zum nächsten Mal.






Samstag, 19. November 2011
An dieser Stelle muss ich mich wohl mal für meine etwas schleppender gewordene Berichterstattung aus China entschuldigen. Eigentlich waren wie die letzten Wochenenden in Tai´an und somit war genügend Zeit, etwas zu schreiben. Irgendwie bin ich nicht so richtig dazu gekommen, sodass ich sogar schon Mails erhalten habe, ich solle doch nicht für die letzten 30 Tage das Schreiben einstellen. Also hier mal wieder ein schnellerer Eintrag. Außerdem gelobe ich Besserung und versuche mal wieder regelmäßiger und ordentlicher zu schreiben ;-)

Am vergangenen Montag stand der dt. Abend auf dem Programm und wir Tutoren hatten beim Orgateam der Studenten angeregt, den Ablauf doch einmal etwas anders als sonst zu gestalten. Die deutschen Abende hatten immer einen gewissen „Vorlesungscharakter“ mit verschiedenen Vorträgen zu Themen in Deutschland und China. Unser Ansatz war, eine angenehmere Atmosphäre zu schaffen, in der die Studenten auch mal selber sprechen üben können.
Also hatten wir mehrere Plakate zu verschiedensten Themen in Deutschland (u.a. Freizeitgestaltung, Mode, Essen, Reisen und Abendgestaltung) vorbereitet.

Für euch nun die Frage, welches von mir mir "gestaltet wurde, und welches von unseren weiblichen Tutorinnen ;-)







Dann wurden die Studenten in fünf kleinere Gruppen eingeteilt und sind dann im Zehn-Minuten-Takt „gewandert“, sodass wir kleinere Gruppen hatten mit denen man sich auch unterhalten konnte. So erreichten wir auch unser Ziel, selbst die Studenten, die gerade erst Deutsch lernen konnten mit Hilfe der Dolmetscher aus den höheren Semestern Fragen stellen. Unter anderem kamen Fragen, die einen doch kurz zum Grinsen brachten:
- Waren Sie schon mal in einer Disko?
- Essen die Deutschen nur kalte Sachen?
- Können Sie viel Bier trinken?
Ihr seht also, es gab reges Interesse am alltäglichen Leben in Deutschland ;-)

Der Abend war aber wie gesagt ein richtiger Erfolg, auch dank der intensiven Werbung, die die Studenten betrieben haben. Bei solchen Dingen sind sie einfach immer enorm engagiert.


Jaja, der "Deutsch Abend", eine schöne Sache



Gestern und heute standen zwei Klausuraufsichten auf dem Programm. In meinen Räumen waren (zum Glück) keine Spicker dabei. Nur einzelne Studenten, die einfach weiße Blätter abgegeben haben, da könnte es mit dem Bestehen der Klausur doch etwas eng werden…

Heute Abend steht dann (zur Abwechslung mal wieder ;-)) ein Essen auf dem Programm. Hr. Haederle wird uns bekochen, und das kann er echt richtig gut. Es gibt Käsespätzle, den Salat liefern wir. Wird sicherlich wieder richtig lecker, wenn auch nicht so gesund wir unser Essen sonst hier. Das besteht nämlich meistens nur aus Gemüse und Reis, also wenig Fett und viele Vitamine. Aber ab und zu darf dann halt auch mal so „gesündigt“ werden ;-)

Und zur Abwechslung mal wieder ein bisschen was aus den Tutorien. Zunächst mal der Beweis, dass neben den "Soft Skills" auch noch andere Fertigkeiten durchaus verbessert werden. Vor allen Dingen die Schrift, schaut euch mal an, was ich an die Tafel (!!!) geschrieben habe, und in was für einer Schrift. Das kann man doch sogar lesen, also eine erhebliche Verbesserung zu vorher ;-)



Die Studenten arbeiten immer mal wieder in Gruppen zusammen. Je nachdem, was wir uns so für sie ausdenken. Allerdings gibt es auch Phasen, gerade vor den Klausuren, da sind sie ganz froh, wenn sie einfach nur wiederholen können, ohne eine spezielle Aufgabe machen zu müssen.


Entweder jeder für sich...



...oder aber gemeinsam bei der Vorbereitung einer Präsentation.

Mit diesen Eindrücken verabschiede ich mich dann zuerst mal wieder. Aber bis zum nächsten Eintrag soll es ja wie gesagt hoffentlich nicht mehr ganz so lange dauern ;-)






Mittwoch, 16. November 2011
Nach fast drei Monaten China und zahlreichen Blogeinträgen wird es auch mal Zeit für ein paar kritische Worte , denn selbstverständlich gibt es auch hier einiges, was definitiv nicht so läuft wie es sollte bzw. wie man es sich vorstellt. Nicht dass es nachher noch heißt, mein Blog wurde mit der „rosaroten Brille“ geschrieben…

An einigen Stellen merkt man doch noch deutlich, dass es sich um eine kommunistische Staatsform handelt, anders ist die Arbeitsmoral mancher Angestellten einfach nicht zu erklären. Gerade in einigen Restaurants gibt es zwar enorm vielen Kellner (unter anderem vier, die den Leuten nur die Tür öffnen und sie wieder verabschieden…), aber wirklich schnell bedient wird man deswegen leider nicht immer. Nachdem man zum Tisch gebracht wurde muss man sich am besten direkt entscheiden, was man haben möchte. Da wir aber schon ein bisschen Zeit brauchen, um uns auf der Karte zu orientieren, bitten wir die Kellner dann immer, gleich noch mal wieder zu kommen. Das klappt dann aber normalerweise leider nicht, wir machen dann nach einiger Zeit auf uns aufmerksam. Bei der Bestellung kommt es dann zum nächsten Beweis, dass es doch noch eine zentral gesteuerte Produktion geben muss. In weiser Voraussicht suchen wir uns schon immer extra zwei Gerichte aus, eines wird nämlich definitiv „Méiyǒu“ sein, das bedeutet wörtlich so viel wie „Gibt es nicht mehr“ ;-)

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Wenn allerdings der Kellner eine halbe Stunde nach der Bestellung ankommt, um einem mitzuteilen, dass es das gewählte Gericht nicht mehr gibt, dann kommen einem doch Zweifel auf, ob das der wirkliche Grund ist. Vielmehr heißt „Méiyǒu“ dann wohl, dass der Koch einfach keine Lust hat, das Gericht zu kochen, kann man ja mal machen. Man gewöhnt sich hier an einiges und die Charaktereigenschaften Toleranz und Geduld werden doch deutlich trainiert.

Zum Thema Essen kann man noch ein paar Worte mehr verlieren, nämlich zu der Art, wie das Essen hier zu sich genommen wird. Die Tischmanieren sind (entschuldigt den Ausdruck ;-)) unter aller Sau. Schmatzen, Schlürfen, ausgespucktes Essen auf dem Tisch, alles vollkommen normal hier.


Einmal ein Tisch in Nahaufnahme...


...und hier als Beweis, dass wirklich die meisten Tische so aussehen

In diesem Sinne freut euch schon mal auf unsere Weihnachtsessen, Familienfeiern usw., das wir bestimmt super ;-) Nein im Ernst, teilweise ist es doch echt ganz schön gewöhnungsbedürftig, da sind wir dann noch nicht ganz chinesisch sozialisiert. Bei den Essensmanieren verhalten wir uns doch nach wie vor sehr deutsch.

Eine weitere Sache, die gerade bei Recherchen für das Tutorium usw. echt nervt, ist die Zensur im Internet. Ich hoffe einmal, das Verwenden dieses Wortes führt nicht dazu, dass auch mein Blog bald unter genau diese Zensur fällt ;-) Manche Seiten funktionieren einfach gar nicht, oder verschwinden nach einigen Sekunden. Das führt dann dazu, dass man manchmal ein wenig verzweifelt vor dem Computer sitzt und gutmütig auf diesen einredet, ohne dass es auch nur das Geringste ändern würde (allerdings verfällt auch unsere Fachinformatikerin in diese Marotte, von daher muss es ja einen Hintergrund haben ;-))

Was auch auffällig ist, sind die teilweise sehr langen Entscheidungswege. Jede Handlung muss mit einer Vielzahl von (Partei-)Funktionären abgestimmt werden. Jeder gibt seine eigene Meinung dazu ab. Es dauert also echt lange, bis mal irgendwas passiert.
In einen ähnlichen Bereich der Kritik fällt das allgegenwärtige „Guanxi“, also das gegenseitige Zuschieben von Positionen und Aufträgen innerhalb der Familie bzw. des Bekanntenkreises. Dies führt halt dazu, dass die Führungspositionen und andere wichtige Ämter immer durch ausgewählten Personen bekleidet werden, da jemand von außerhalb kaum eine Chance hat, diese Positionen zu erreichen.

Dies unterstreicht die generelle Einstellung der Chinesen zum gegenseitigen Helfen. Innerhalb der Familie oder einer bestehenden Gruppe hilft man sich enorm. Niemand wird fallen gelassen und die Gemeinschaft zählt mehr als der einzelne. Außerhalb der Familie geht man mit den Menschen allerdings relativ rücksichtslos um. Jeder ist zunächst einmal darauf bedacht, seinen eigenen Vorteil (bzw. den der Familie) zu realisieren, danach kommt bei den meisten erst mal lange nichts. Unsere Erklärung für dieses Verhalten ist (wie für so manches hier ;-)) die schiere Masse der Chinesen. In einem Land mit über 1,4 Milliarden Menschen muss man sich beweisen und zeigen was man selber kann, damit man etwas erreicht. Hebt man sich nicht von der Masse ab, auf welche Weise auch immer, so hat man keine Chance seinen Lebensstandard zu verbessern. Die Chinesen lernen also schon recht früh, sich zunächst einmal das Beste zu sichern, da man ansonsten unter die Räder kommt. Die Tatsache, dass ein Großteil der Kinder hier als Einzelkinder (Ein-Kind-Politik) aufwachsen, tut sein übriges dazu, da sich in der Kindheit vier Großeltern und zwei Großeltern nur um das eine Kind kümmern und es Aufmerksamkeit ohne Ende erfährt.

Ihr seht also, wir haben unsere Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit Dingen nicht verloren und ordnen die Dinge noch immer ganz passend ein (denken wir zumindest ;-). Dennoch öffnet einem das längere Leben hier in China ein bisschen die Augen und man kann manche Dinge zumindest besser nachvollziehen. Gerade das manchmal rücksichtslos wirkende Verhalten ist wohl eher eine Sache der Sozialisierung, macht man es nicht, erreicht man nichts. Ich möchte dieses Verhalten natürlich nach wie vor nicht gutheißen, dennoch kann man ein gewisses Verständnis für so manche Dinge entwickeln. Ein weiterer Effekt ist, dass man die Situation bei uns zu Hause mal aus einer anderen Perspektive sieht und erkennt, dass einige unserer „Probleme“ doch mal relativiert werden sollten.

So, diese ernsten Worten waren auch mal wichtig, nächstes Mal gibt es aber dann doch wieder entspanntere Geschichten, mal schauen, worüber ich noch so schreiben kann…






Montag, 7. November 2011
Nachdem wir unsere guten Vorsätze, mal einige Wochenenden "zu Hause" in Tai´an zu bleiben, ja in der letzten Woche relativ schnell über den Haufen geworfen hatten, ging es am Freitagabend nach Peking. Nach erfolgreichem Einchecken im Hostel ging es dann mit Micha und Manu (den beiden anderen Tutoren aus Taiyuan) in die Bar gegenüber. Dort gab es leckere Cocktails (den Caipirinha hatten die Tayuaner dem Barkeeper bei ihrem letzten Besuch vor einigen Wochen noch gezeigt und er wusste auch noch ziemlich genau, wie man ihn zu mixen hatte…).
Etwas später am Abend (oder früher am Morgen, kommt ja immer auf die Perspektive an ;-)) haben wir dann auch noch den Lieferdienst von McDonald´s ausprobiert. Dabei handelt es sich nicht um private Lieferdienste, sondern tatsächlich um einen Bringdienst von „Mäcces“ selber. Die Angestellten bringen die Sachen dann mit Fahrrädern an den gewünschten Ort, und das ganze für nur sieben Yuan pro Lieferung, egal wohin in ganz Peking, eine echt coole Sache, die man auch in Deutschland mal einführen könnte.

Am nächsten Morgen ging es dann nach dem sehr reichhaltigen Frühstück im Hostel auf zum Yashow - Markt, einem riesigen Kaufhaus mit ausschließlich „originaler“ Ware… Bevor es aber losgehen konnte, mussten wir uns natürlich alle schützen, die Luft in Peking war doch sehr dreckig. Daher hatte uns Sonja zum Glück entsprechende Kleidungsstücke organisiert:


Entweder schick in schwarz und weiß...


... oder aber mit schicken rosa Herzchen ;-)

Dann ging es wie gesagt auf große Einkaufstour, vor allen Dingen natürlich Sachen für den jetzt anstehenden Winter, also Pullover, Mützen, Schals und Jacken. Die anderen haben auch noch Uhren, Feuerzeuge usw. gekauft, also schon mal die Weihnachtseinkäufe erledigt. Für jeden, der mal in Yashow-Markt einkaufen sollte hier die wichtigste Information:
Handeln ist unerlässlich!!!
Und zwar relativ unverschämt handeln, ein realistischer Preis sind 10% (!!!) des ursprünglich vom Verkäufer genannten Preis (also startet man sein erstes Angebot mit ca. 5%). Man erntet dann zwar jeweils entsetzte Reaktionen und die Händler versuchen auch einem einzureden, man sei jetzt direkt für die Verarmung der gesamten Familie verantwortlich, aber so einen Eindruck machten die Verkäufer dann doch eher nicht ;-) Also ein lustiges Erlebnis, mit dem wir an dem Tag auch einige Stunden verbracht haben.


Im obersten Geschoss gab es den Wellnessbereich




Unten auf der Straße bei einem Optiker mit sehr "modernen" Modellen ;-)

Am späten Nachmittag ging es dann zurück ins Hostel um dort die Speisekarte auszuprobieren. Es gab Burger, Pasta und Salate, und alles richtig lecker. Da auch die Einrichtung in der Bar echt nett war (und die Getränke auch ;-)) haben wir dann beschlossen, es einmal dort zu bleiben. Marco und Rosi, zwei weitere Tutoren aus Tayuan sind dann auch noch dazu gekommen. Und so blieben wir dann für den Rest des Abends im Hostel. Es war noch echt lustig, die Bekanntschaften mit einer Gruppe Franzosen auf Abifahrt dürften dabei einigen von uns am besten gefallen haben ;-)

Nachdem wir am nächsten Tag dann etwas länger geschlafen hatten und auch wieder das ausgezeichnete Frühstück im Hostel genossen hatten, ging es auf zum Spaziergang durch Peking. Ziel war der Beihai-Park, der nördlich des Tian´anmen-Platzes mitten in der Stadt liegt. Nach einem längeren Spaziergang durch ruhigere Gassen erreichten wir diesen dann anschließend auch. Und auch hier gab es schöne Plätze, an denen man nicht das Gefühl hatte, mitten in einer Großstadt zu sein.


Wieder mal eine "Wohlfühloase" mitten in der Stadt, sowas gibt es also auch...

Bei unserer Wanderung landeten wir dann auch noch in einem schönen Viertel am Fluss, an dem es richtig viele Bars, Kneipen und Biergärten gab (wie gesagt, man muss halt nur wissen, wo es solche Dinge gibt, oder sie halt zufällig finden ;-)). Allerdings war unsere Zeit leider ein bisschen knapp, da es schon Nachmittag war, und wir alle noch zum Hostel mussten, um unser Gepäck zu holen und dann anschließend zum Bahnhof zu fahren.

Zufrieden und nur leicht erschöpft waren wir dann schon gegen halb zehn wieder in Tai´an, sodass es diesmal gar nicht so ein enorm anstrengendes Reisewochenende war.